Berufsbildung im Dialog: Unsere Erasmus-Gruppenaktivität in Fosnavåg, Norwegen

Im Rahmen einer Erasmus-Gruppenaktivität reiste unsere Gruppe deutscher Auszubildender und Lehrkräfte vom BBZ Dithmarschen vom 20. bis zum 27. September 2026 nach Fosnavåg in Norwegen. Ziel der Reise war es, den fachlichen und persönlichen Austausch mit einer norwegischen Partnerklasse zu fördern, Einblicke in das norwegische Berufsbildungssystem zu gewinnen und gemeinsam an praktischen Projekten zu arbeiten. Darüber hinaus standen Teambildung, kultureller Austausch, Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen sowie die Entwicklung zukünftiger Kooperationen im Mittelpunkt.

Anreise und Auftakt

Am Sonntag, den 20. September, traf sich die deutsche Gruppe am Pendlerparkplatz an der A23. Von dort erfolgte die gemeinsame Fahrt zum Flughafen Hamburg. Die Anreise führte mit dem Flugzeug über Bergen nach Ålesund. Anschließend erfolgte die Weiterfahrt mit Mietwagen zur Unterkunft am Lanternen Campingplatz.

Am Montag begann das offizielle Erasmus-Programm mit dem Besuch der Partnerschule in Fosnavåg. Die deutsche Gruppe wurde um 8:30 Uhr von der norwegischen Zimmererklasse und den betreuenden Lehrkräften empfangen. Nach der Vorstellung des Wochenprogramms durch Joakim und der Begrüßung durch die Schulleitung folgte ein Rundgang durch die Schule und insbesondere durch die Werkstätten.

Zum gegenseitigen Kennenlernen wurde anschließend eine Teambuilding-Aktivität durchgeführt. Beim gemeinsamen Axtwerfen konnten die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte erste Kontakte knüpfen und Hemmschwellen überwinden. Bis zum Mittag bestand zudem Gelegenheit zu ersten fachlichen und persönlichen Gesprächen zwischen den deutschen und norwegischen Teilnehmenden.

Am Nachmittag stand eine weitere gemeinschaftliche Aktivität auf dem Programm. Am Herøy Kajak Club erhielten die Teilnehmenden eine Sicherheitseinweisung und wurden mit Kajaks, Paddeln, Vollkörperanzügen und Schwimmwesten ausgestattet. Bei einer etwa sechs Kilometer langen Kajaktour rund um die Insel Nautoja konnten die Teilnehmenden die beeindruckende Landschaft der norwegischen Küstenregion kennenlernen. Ein gemeinsamer Zwischenstopp an einem westlich gelegenen Bootshaus mit anschließendem Grillen bot Gelegenheit zum Austausch und zur weiteren Festigung der Gruppe.

Fachlicher und politischer Austausch

Am Dienstag begann der fachliche Teil des Programms. In einer theoretischen Unterrichtseinheit stellte die norwegische Partnerschule ihr Projekt zum Bau und zur Montage eines Bootshauses im Rahmen der Zimmererausbildung vor. Anschließend wurden Werkzeuge und Materialien für den Aufbau eines Gerüstes vorbereitet, das später im Rahmen einer Berufsmesse in Volda eingesetzt werden sollte.

Ein weiterer Schwerpunkt war der Austausch über Europa und Politik. Gemeinsam mit der norwegischen Zimmererklasse beschäftigten sich die Teilnehmenden im Wirtschafts- und Politikunterricht mit der Europäischen Union und der politischen Situation Norwegens im Vergleich zu anderen Ländern. Dadurch erhielten die deutschen Auszubildenden einen Einblick in gesellschaftliche und politische Besonderheiten Norwegens.

Am Nachmittag besuchte die Gruppe die lokale Sande Seafarm Production in Gjerdsvika. Bei einer Führung durch den Inhaber erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die nachhaltige Fischwirtschaft und insbesondere in die Produktion von Heilbutt. Dabei wurde deutlich, welche Bedeutung der Schutz der heimischen Gewässer und der verantwortungsvolle Umgang mit natürlichen Ressourcen für die regionale Wirtschaft besitzen.

Am Nachmittag begann die kooperative praktische Unterrichtseinheit zum Bau eines Dachstuhlmodells. Die deutschen und norwegischen Auszubildenden arbeiteten in gemischten Gruppen. Nach einem Aufriss im Maßstab 1:1 wurden die nächsten Arbeitsschritte gemeinsam geplant und umgesetzt. Die deutschen Auszubildenden konnten dabei ihre bereits erworbenen Erfahrungen einbringen und die norwegischen Partner bei der praktischen Umsetzung unterstützen. Gleichzeitig konnten beide Seiten unterschiedliche Arbeitsweisen und Vorgehensweisen kennenlernen.

Gemeinsames Bauprojekt und Berufsmesse

Am Mittwoch wurde die praktische Gruppenarbeit fortgesetzt. Im Mittelpunkt standen das Anreißen und Ausarbeiten von Sparren und Gratsparren. Die Arbeit erfolgte weiterhin in gemischten Gruppen und erforderte eine enge Zusammenarbeit sowie gegenseitige Unterstützung.

Am Mittag fuhr die Gruppe nach Volda, um dort beim Aufbau der Berufsmesse der Schulen des Bezirks mitzuwirken. Die vorbereiteten Gerüstteile wurden ausgeladen und anschließend zu einer Konstruktion zwischen zwei Türmen aufgebaut. Die Arbeiten erfolgten arbeitsteilig und wurden teilweise per Zeitraffer dokumentiert.

Neben der praktischen Arbeit konnten die deutschen Teilnehmenden dabei Besonderheiten der norwegischen Bauweise und der dort geltenden Sicherheitsvorkehrungen kennenlernen. Die gemeinsame Bewältigung der Aufgabe stärkte die Teamarbeit und zeigte, wie unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten in einem internationalen Arbeitsumfeld miteinander verbunden werden können.

Berufsorientierung, Kultur und Natur

Der Donnerstag begann mit dem Besuch der Berufsmesse in Volda. Nach einer gemeinsamen Ankunft wurde die Gruppe aufgeteilt. Eine Gruppe erkundete Volda und Ørsta im Rahmen einer Stadtbesichtigung, während die zweite Gruppe eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt unternahm. Beide Aktivitäten boten die Möglichkeit, die Region und ihre kulturellen sowie landschaftlichen Besonderheiten kennenzulernen.

Anschließend trafen sich alle Teilnehmenden wieder auf der Berufsmesse. Dort wurde das am Vortag errichtete Gerüst gemeinsam abgebaut und für den Rücktransport vorbereitet. Auch dieser Arbeitsschritt wurde in Gruppen durchgeführt und dokumentiert.

Am Abend führte die Gruppe die gemeinsame Fahrt nach Mulevika. Die westlich gelegene Strandbucht bot einen besonderen Abschluss des Tages. Bei frischer Meeresluft und Brandung konnten die Teilnehmenden die beeindruckende norwegische Küstenlandschaft erleben und den Sonnenuntergang gemeinsam genießen.

Umweltbildung und historische Handwerkstechniken

Am Freitag fand zunächst eine getrennte Gesprächsrunde statt. Während sich die Auszubildenden im Klassenraum trafen, nutzten die Lehrkräfte die Gelegenheit zu einem Austausch im Lehrerzimmer.

Anschließend fuhr die gesamte Gruppe auf die Insel Runde. Im Runde Miljøsenter erhielten die Teilnehmenden eine Führung zu verschiedenen Themen des Meeresschutzes. Dabei wurden Zusammenhänge zwischen Plankton, Fischbeständen und Seevögeln ebenso thematisiert wie die Auswirkungen des Klimawandels und Möglichkeiten zur Vermeidung von Meeresverschmutzung. Der Besuch ergänzte die zuvor behandelten Themen der nachhaltigen Fischwirtschaft und vermittelte einen umfassenden Eindruck von der Bedeutung des Schutzes mariner Ökosysteme.

In der Mittagspause fand ein Austausch mit der Schulleitung statt. Im Mittelpunkt standen die bisherigen Erfahrungen sowie Möglichkeiten für eine zukünftige Zusammenarbeit und weitere gemeinsame Erasmus-Projekte.

Am Nachmittag folgte ein weiterer fachlicher Höhepunkt der Woche. Nach der Vorbereitung der Montagearbeiten fuhr die Gruppe zum Kystmuseet. Dort arbeiteten die deutschen und norwegischen Auszubildenden gemeinsam an der Montage eines Dachstuhls für ein historisches Gebäude. Dabei kamen traditionelle Holzverbindungen wie Holznägel und Zapfenverbindungen zum Einsatz. Die Teilnehmenden konnten dadurch historische Handwerkstechniken kennenlernen und gleichzeitig ihre eigenen fachlichen Kenntnisse praktisch anwenden.

Zum Abschluss des Tages fand im Ausstellungsraum des Museums ein gemeinsames Feedbackgespräch statt. Die Teilnehmenden konnten ihre Eindrücke schildern, Erfahrungen austauschen und die gemeinsame Woche reflektieren. Am Abend wurde die Erasmus-Woche bei einem gemeinsamen Essen in Fosnavåg mit den norwegischen Auszubildenden und Lehrkräften weiter vertieft.

Gemeinsame Aktivitäten und Abschluss

Am Samstag wurde das Programm erneut in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe nahm gemeinsam mit Auszubildenden und Eltern der Gastgeber an einer Wanderung zum Vogelfelsen auf Runde teil. Die Aktivität knüpfte unmittelbar an den Besuch des Runde Miljøsenter an und verband die dort vermittelten Inhalte zum Meeresschutz mit einer praktischen Erfahrung in der Natur.

Die zweite Gruppe unternahm eine leichtere Wanderung zum Leuchtturm bei Kvalsvik auf Nerlandsøya und anschließend einen Stadtrundgang in Fosnavåg. Beide Gruppen konnten dadurch nochmals die Landschaft und das kulturelle Umfeld der Region kennenlernen.

Abends wurde in unserer Unterkunft gemeinsam gekocht und zusammen gegessen!

Zum Abschluss der gemeinsamen Aktivitäten kamen alle Teilnehmenden zu einem gemeinsamen Beisammensein zusammen. In einem abschließenden Feedbackgespräch wurde die vergangene Erasmus-Woche reflektiert. Dabei wurden Erfahrungen, positive Eindrücke und Verbesserungsvorschläge für zukünftige Erasmus-Gruppenaktivitäten ausgetauscht.

Am Sonntag, den 27. September 2026, erfolgte die Rückreise der deutschen Gruppe nach Deutschland.

Fazit

Die Erasmus-Gruppenaktivität in Fosnavåg verband berufliche Bildung, internationale Zusammenarbeit, kulturellen Austausch, Teambildung und Umweltbildung auf vielfältige Weise. Besonders die gemeinsame praktische Arbeit der deutschen und norwegischen Zimmerer-Auszubildenden stellte einen zentralen Bestandteil der Woche dar. Durch die gemischten Arbeitsgruppen konnten die Teilnehmenden ihre fachlichen Kenntnisse einbringen, voneinander lernen und unterschiedliche Arbeits- und Ausbildungsmethoden kennenlernen.

Die verschiedenen praktischen Projekte – vom Dachstuhlmodell über den Gerüstbau bis hin zur Montage eines historischen Dachstuhls – ermöglichten einen direkten Vergleich handwerklicher Arbeitsweisen. Gleichzeitig boten die gemeinsamen Aktivitäten außerhalb des Unterrichts zahlreiche Möglichkeiten, persönliche Kontakte aufzubauen und das gegenseitige Verständnis zu fördern.

Die Besuche bei der Sande Seafarm Production und dem Runde Miljøsenter erweiterten das Programm um wichtige Themen der Nachhaltigkeit, des Meeresschutzes und des verantwortungsvollen Umgangs mit natürlichen Ressourcen. Wanderungen, Kajakfahren, Stadtbesichtigungen und weitere gemeinsame Aktivitäten ermöglichten darüber hinaus einen authentischen Einblick in die norwegische Landschaft und Lebensweise.

Insgesamt bot die Erasmus-Woche den Auszubildenden und Lehrkräften zahlreiche Möglichkeiten, fachliche und persönliche Erfahrungen zu sammeln, internationale Kontakte zu vertiefen und neue Impulse für die berufliche Ausbildung zu gewinnen. Der Austausch legte gleichzeitig eine gute Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit der beteiligten Schulen und für zukünftige gemeinsame Erasmus-Projekte.

Gesche Früchtenicht und Matthias Haupt